Foto: Frau Dr. Meurer

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Ihre und die Interessen unserer Fachgesellschaft in diesem Jahr für Sie als Präsidentin zu vertreten. Es ist mir eine große Freude und eine besondere Ehre, aber auch ein Ansporn, unseren erfolgreichen Weg fortzuführen und zu gestalten.

Bewegung ist Leben ist das Motto des Kongresses 2017. Wir alle wissen um die Bedeutung von Bewegung für den menschlichen Organismus. Ohne Bewegung findet Leben nicht statt. Bewegung stärkt und kräftigt unseren Körper, motiviert, lädt uns auf mit Energie. Regelmäßige Bewegung fördert die Gesundheit nachhaltig und reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Arthrose und vieles mehr. Die Fähigkeit zur aktiven Bewegung ist Voraussetzung dafür, auch im fortgeschrittenen Alter Selbständigkeit zu erhalten, aber auch bei Krankheit und Behinderung selbstbestimmt am sozialen Leben teilhaben zu können.

Bewegung ist etwas, das wir im Alltag unzählige Male tun, reflexhaft, unbewusst und selbstverständlich. Beobachten wir jedoch die ersten Schritte eines Kindes als wesentlichen Prozess menschlicher Entwicklung und Reifung, dann erkennen wir bei grundsätzlich vorgegebener Anordnung der anatomischen Strukturen, wie mühsam deren funktionelle Koordination ist und dass es sich nicht um ein konsequentes Anwenden erlernter Reflexe handelt, sondern um einen langen Lernprozess.
Veränderungen auf der molekularen, zellulären und strukturellen Ebene können zu unzähligen Beeinträchtigungen führen, reichend von den seltenen Erkrankungen und Syndromen mit Mehrfachbehinderung, über die rheumatologischen Erkran-kungen, die Tumorerkrankungen bis hin zu Osteoporose und Arthrose. Jede Reduzierung von Beweglichkeit wird als krankhaft, als einschränkend und behindernd empfunden und die Wiederherstellung und Wiedererlangung von Beweglichkeit nach einem Unfall, einer Krankheit, einer Operation ist wichtigstes Ziel der Rehabilitation und demonstriert eine wesentliche soziologische und gesellschaftspolitische Bedeutung des gemeinsamen Faches O und U.

Unser Fach ist in Bewegung. Die vorliegende Musterweiterbildungsordnung versucht, die große Breite und Vielfalt unseres Faches in einem Curriculum abzubilden. Was sind Grundinhalte des Faches? Was muss der frischgebackene Facharzt wissen, um seinen formalen Möglichkeiten gerecht werden zu können? Wo und wann beginnt Spezialisierung? Ungeklärte Fragen, die jedoch erheblichen Einfluss auf die Attraktivität unseres Faches und dessen Zukunftsfähigkeit haben. Ebenso wie die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einer Generation, die sich „Familisierung“ wünscht und die sich deshalb eher nicht für chirurgische Fächer entscheidet.

Unser Fach wird bewegt durch mannigfaltige gesundheitspolitische Einflussnahmen. Unter dem öffentlichen Siegel der Qualitätsverbesserung treiben Bundesregierung und Krankenkassen eines voran – die Kosteneinsparung im Gesundheitswesen. Die weitere Abwertung der Fallpauschalen im Bereich Hüftgelenkersatz und zahlreicher Wirbelsäulentherapien zwingen vor allem spezialisierte Fachkliniken zu qualitätsmindernden Maßnahmen wie Verkürzung von Verweildauern, Einsatz preisgünstigerer Implantate und Reduzierung von Personal- und Sachkosten. Innovation und Fortschritt zur Qualitätssteigerung werden so behindert. Die Bemühungen um Anpassung der Entgelte zwischen ambulantem und operativem Sektor berücksichtigen nicht die unterschiedlichen Vorhaltekosten der Systeme. Die Entscheidung des G-BA, dass bestimmte arthroskopische Verfahren zur Behandlung der Arthrose am Knie nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen erbracht werden können, ist ein dramatischer Eingriff in die Freiheit ärztlicher Entscheidungsfindung und ärztlichen Handelns.

 Wir müssen in Bewegung bleiben. Die Herausforderung der Zukunft wird mehr denn je sein, Dinge nicht nur geschehen zu lassen, sondern selbst zu bewegen. Hierzu braucht es Menschen, die sich einbringen, um die Geschicke des Faches zu lenken. Ich bitte deshalb alle Interessierten, sich aktiv an der Weiterentwicklung unseres wunderbaren Faches zu beteiligen. Um uns gegen Übergriffe jedweder Art schützen zu können, müssen wir zusammenstehen. O und U, konservativ und operativ, stationär und ambulant – Pole eines gemeinsamen Ganzen.

Gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Ingo Marzi als Präsident der DGU und Herrn Prof. Dr. Alexander Beck als Kongresspräsident des BVOU werden wir den DKOU 2017 unter dem Motto „Bewegung ist Leben“ am Messegelände Süd für Sie gestalten. Gemeinsam mit unserer Gastnation USA wollen wir Sie bewegen, über O und U in seiner ganzen Breite, in Praxis, Klinik, Forschung und Politik zu diskutieren.

Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit mit unserem Generalsekretär Herrn Prof. Dr. Bernd Kladny, dem Vorstand, den Sektionen, Arbeitsgruppen und allen weiteren Gruppierungen unserer Fachgesellschaft sowie mit der DGOU, der DGU, dem BVOU, dem VLOU und auf ein bewegtes und spannendes Jahr.

Herzlich
Ihre
Andrea Meurer

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